Mitarbeiter übernehmen keine Verantwortung – woran liegt es wirklich?
„Ich muss mich um alles selbst kümmern.“
„Wenn ich nicht nachfrage, passiert nichts.“
„Meine Mitarbeiter denken einfach nicht mit.“
Solche Sätze höre ich von Unternehmer:innen und Führungskräften immer wieder.
Und ja: Es gibt Situationen, in denen Mitarbeitende tatsächlich mehr Eigeninitiative zeigen könnten. Doch wenn Verantwortung im Unternehmen dauerhaft nicht übernommen wird, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn fehlende Eigenverantwortung ist nicht automatisch ein Problem der Mitarbeitenden.
Manchmal liegt die Ursache ganz woanders.
Was bedeutet Verantwortung eigentlich im Unternehmen?
Verantwortung entsteht nicht allein dadurch, dass Aufgaben verteilt werden.
Menschen brauchen Klarheit darüber, was von ihnen erwartet wird, welche Entscheidungen sie selbst treffen dürfen und welchen Handlungsspielraum sie tatsächlich haben.
Und genau hier beginnt häufig ein Kreislauf:
Eine Führungskraft gibt eine Aufgabe ab.
Ein Teammitglied löst sie anders als erwartet.
Die Führungskraft greift ein oder korrigiert.
Beim nächsten Mal fragt die Person lieber nach, bevor sie selbst entscheidet.
Irgendwann entsteht auf beiden Seiten Frust.
Die Führungskraft denkt:
„Warum übernimmt hier eigentlich niemand Verantwortung?“
Und die Mitarbeitenden denken möglicherweise:
„Warum soll ich entscheiden, wenn es am Ende sowieso anders gemacht wird?“
Gibst Du Verantwortung ab – oder nur Aufgaben?
Diese Frage kann unbequem sein. Aber sie kann viel verändern.
Gerade Unternehmer:innen, die ihr Unternehmen selbst aufgebaut haben, tragen häufig über viele Jahre sehr viel Verantwortung.
Sie kennen die Abläufe, haben Entscheidungen getroffen, Probleme gelöst und waren daran gewöhnt, dass vieles bei ihnen zusammenläuft.
Mit wachsendem Unternehmen funktioniert dieses Prinzip irgendwann nicht mehr.
Aufgaben müssen abgegeben werden. Entscheidungen ebenfalls.
Doch Verantwortung abzugeben bedeutet auch, zu akzeptieren, dass ein anderer Mensch möglicherweise einen anderen Weg wählt.
Das heißt nicht, dass Führungskräfte alles laufen lassen müssen. Es bedeutet vielmehr, Klarheit darüber zu schaffen, wo Verantwortung beginnt, wo sie endet und welche Entscheidungen tatsächlich selbstständig getroffen werden dürfen.
Wie wird in Deinem Unternehmen mit Fehlern umgegangen?
Eigenverantwortung braucht Vertrauen.
Wenn Mitarbeitende erleben, dass Fehler sofort kritisiert werden oder eine falsche Entscheidung unangenehme Konsequenzen hat, entsteht schnell Vorsicht.
Dann wird lieber noch einmal nachgefragt.
Oder gar nicht erst entschieden.
Eine Unternehmenskultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen sollen, braucht deshalb auch einen konstruktiven Umgang mit Fehlern.
Nicht jeder Fehler ist ein Problem.
Manche Fehler sind Teil von Entwicklung.
Entscheidend ist, ob daraus gelernt wird.
Sind Erwartungen und Zuständigkeiten wirklich klar?
Was für die Unternehmensleitung vollkommen selbstverständlich erscheint, muss für das Team noch lange nicht eindeutig sein.
Wer entscheidet was?
Wer trägt wofür Verantwortung?
Wann soll Rücksprache gehalten werden?
Und wann ausdrücklich nicht?
Unklare Zuständigkeiten führen häufig dazu, dass Entscheidungen liegen bleiben oder immer wieder bei der Führungskraft landen.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur über Motivation zu sprechen, sondern auch über Führung, Kommunikation, Rollen und Entscheidungswege.
Was, wenn das sichtbare Problem gar nicht das eigentliche Problem ist?
Genau hier setzt meine Arbeit an.
Wenn etwas in einem Unternehmen nicht funktioniert, interessiert mich nicht nur die Frage:
Was müssen wir verändern?
Mich interessiert zunächst:
Warum funktioniert es gerade nicht?
Ich schaue gemeinsam mit Unternehmer:innen und Führungskräften auf Strukturen und Abläufe – aber ebenso auf Kommunikation, Zusammenarbeit, Erwartungen, Konflikte und Führung.
Und auch auf den Menschen, der das Unternehmen führt.
Denn Unternehmen verändern sich nicht unabhängig von den Menschen, die darin arbeiten und Entscheidungen treffen.
Nach fast 30 Jahren Führungserfahrung weiß ich, wie eng diese Bereiche miteinander verbunden sind.
Deshalb lautet einer meiner wichtigsten Grundsätze:
Unternehmensentwicklung beginnt beim Menschen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Gedanken
„Meine Mitarbeiter übernehmen keine Verantwortung“
nicht sofort nach einer neuen Methode oder einem neuen Prozess zu suchen.
Sondern zunächst einige andere Fragen zu stellen:
- Wissen meine Mitarbeitenden wirklich, wofür sie verantwortlich sind?
- Haben sie den notwendigen Entscheidungsspielraum?
- Wie reagiere ich, wenn jemand anders entscheidet, als ich es getan hätte?
- Wie gehen wir mit Fehlern um?
- Gibt es unausgesprochene Konflikte oder Erwartungen?
- Gebe ich tatsächlich Verantwortung ab – oder nur Aufgaben?
Manchmal liegt genau dort der Beginn einer Veränderung.
Wenn Du das Gefühl hast, dass es in Deinem Unternehmen an einer Stelle immer wieder hakt, lohnt es sich, zunächst herauszufinden, was wirklich dahinterliegt.
Ich begleite Unternehmer:innen und Führungskräfte in Veränderungs- und Wachstumsprozessen – mit dem Blick auf den Menschen und auf das Unternehmen.
Stephanie Brinkmann
Mentorin für persönliche und unternehmerische Veränderungsprozesse
Unternehmensberatung & Mentoring in Hameln und online


